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Jugendstil Freischwinger, Jakob Kienzle

Achtung! Der Text für diese Uhr, was auch nur für diese Uhr gilt, entspringt meiner Phantasie! Er ist aber stellvertretend für das, was manche Uhren im Laufe ihres Lebens erlebt haben. Und wie immer ist ein Körnchen Wahrheit dabei, die sofern recherchierbar oder überliefert, zu einer Geschichte verarbeitet wurde. Lernen Sie nun die alte Käthe kennen:

Kienzle Jugendstil Freischwinger 17 _beschreibung

Meine Mutti sagt immer, die Streisand wäre vor lauter Häßlichkeit wieder schön (finde ich nicht, ich mag die Streisand!).

Keine Ahnung, warum mir das beim Anblick dieser Uhr einfiel. Vielleicht, weil Lifting bei der alten Käthe nicht mehr helfen würde. Das Botox würde aus den Fugen wieder austreten, bevor es die Mimik glätten könnte. Und doch, die Uhr ist schön. Jetzt wissen Sie es. Wären Sie drauf gekommen, wenn ich es nicht verraten hätte?

Ihren Lebenslauf begann die alte Käthe in der Uhrenfabrik Jakob Kienzle. Sie war die Reaktion Kienzles auf eine neue Uhrenkreation des Erzkonkurrenten Friedrich Mauthe.

Nun ja, sagen wir mal es war der Versuch, Mauthe etwas entgegenzustellen, was eine größere Auswahl an potentiellen Käufern erschließen sollte.

Der Uhrenmarkt war heiß umkämpft, immer mehr Hersteller tummelten sich im Schwarzwald und nur sehr wenige Leute konnten sich den Luxus einer Wanduhr aus Edelhölzern mit Vollplatinenwerk leisten. Also stellte auch Kienzle auf die Produktion von Uhrwerken amerikanischer Bauweise um. Die waren damals gerade in Mode, hatte man doch mit dieser Art Uhrwerke die Möglichkeit, günstiger zu produzieren und eine andere Käuferschicht anzusprechen.

So lief die Hülle der Käthe eines Tages in der Tischlerei vom Band. Und was war sie nett anzusehen, mit ihrem lebhaften Furnier, den kecken Verzierungen, Aufbauten und Türmchen, den geschnitzten Blümchen, Halbsäulen und dem Löwenköpfchen.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 19In der ersten Nacht, als sie stumm im Regal zwischen ihren Schwestern lag, hörte sie es raunen. Das Raunen kam aus Halle 3, dort wurden die Geschöpfe für den Hochadel produziert. Uhren aus massiven Edelhölzern, Eiche, Nussbaum, Kirsche lagen dort in den Regalen und spotteten über die arme Käthe mit ihrem Furnier auf gemeinem Kiefernholz.

"Haha", meinte eine, "jetzt bekommt auch der Landadel die Gelegenheit zu wissen, was die Stunde geschlagen hat!" "Skandalös", rief eine andere aus Reihe 4. "Jetzt wird das Blendwerk in Massen verkauft und wir werden hier liegen bis uns der Holzwurm frisst!" "Mach Dir keinen Kopf, meine Liebe, bei Dir hat er nichts zu fressen. Deine Eichenteile sind schwer verdaulich." "Was man von Dir nicht sagen kann, Schätzchen, Dein Nussbaum soll dem gemeinen Holzbock besonders gut munden", rief ein Prunkfreischwinger aus Mahagoni, dunkel gebeizt. "Ach was, das ist amerikanisches Nussbaum, der gemeine deutsche Holzbock wird sich da nicht ran wagen, Ihr wisst doch, dass man Fremdem äußerst skeptisch gegenüber steht."

Der Käthe in Halle 2, im Regal Nummer 4, wurde ganz bange. "Lass sie reden, Schwester", versuchte eine zeitgleich vom Band gelaufene Salonuhr mit Vogelahornfurnier sie zu beruhigen. "Die werden nächstes Jahr immer noch da liegen und lästern. Wir werden dann schon in den Salons hängen und bewundernde Blicke auf uns ziehen."

"Du ganz sicher, Du bist ja auch für ein Westminsterwerk mit Vollplatinen vorgesehen", klagte Käthe. "Ich dagegen bekomme nur eine Spirale mit schnödem Gongverstärker!" "Wer wird denn kleinlich mäkeln", raunte eine Stimme aus Regal Nummer 3. "Seid froh, daß Ihr nicht woanders vom Band gelaufen seid. Da hättet Ihr einen Blechstuhl und einen kalten Hintern auf einem Blechschlitten bekommen. Mal abgesehen von der spillerigen Gongspirale."

Kienzle Jugendstil Freischwinger 23Allgemeines Gelächter machte sich breit, das war ansteckend bis in die Hallen mit den hochwertigsten Wanduhren dieser Zeit. Denn alle Uhren bei Kienzle mußten in dieser Zeit zwar Kompromisse bei der Fertigung hinnehmen, doch Detailverliebtheit war auch bei Kienzle kein Fremdwort. Dann wurde es still. Die Uhren warteten auf den neuen Tag. Den Tag, an dem die Herzen der Uhren, die Uhrwerke, in ihre Gehäuse einziehen und sie mit Leben füllen sollten.

Und auch Käthe bekam ein solides Schloßscheiben Uhrwerk, einen massiven Klangkörper mit einer dicken Tonspirale. Da lag sie nun, fix und fertig und wartete auf ihre neuen Besitzer.

Die bekam sie auch. Sie zog in den Salon eines Gutshofes ein, wo sie einige Jahre als ganzer Stolz der Besitzer das Zimmer schmückte. Der Gutsherr jedoch, wirtschaftete schlecht, lebte über seine Verhältnisse und mußte sparen. So kam es, daß der schicke Salon in kalter Pracht erstarrte, denn es wurde nur noch geheizt wenn Gäste zu Besuch kamen. Ein Fest für den gemeinen Holzbock. Der liebt es kühl und dunkel, seine Larven bevölkerten mit der Zeit das Mobiliar und fraßen sich durch das Holz. Auch Käthe blieb nicht verschont. Doch bevor sie zu viel Schaden nehmen konnte, wurde sie verkauft.

Der Gutsherr musste den Hof aufgeben, als er sich eingestehen mußte, daß er seine Schulden nicht mehr tilgen konnte. Käthe landete bei einer Industriellenfamilie als Wanduhr einer Küche. Und nun vollzog sich ein Wandel ihres Äußeren, den sie Zeit ihres Lebens beibehalten sollte. Da sie nicht zur Einrichtung der Küche passte, wurde der Gärtner von der Ladyschaft beauftragt, sie weiß zu streichen. Und das tat er. Dicke Farbschichten überdeckten nun ihr Edelholzfurnier, doch Käthe lebte.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 24Eifrig lief das Uhrwerk, Stunde für Stunde, Tag um Tag, Jahr für Jahr. Die Zeit hinterlies Spuren am Gehäuse, die weisse Farbe vergilbte langsam, aber sie blieb intakt und vollständig.

Wieder verging die Zeit, zwei Kriege zogen über das Land und Käthe wurde zur Kriegsbeute. Ein französischer Besatzungsoffizier nahm sie mit in seine Heimat. Dort versuchte er, die weiße Farbe wieder zu entfernen. Jedoch war er handwerklich nicht der geschickteste. Nachdem er den prachtvollen Aufsatz freigelegt hatte, wurde er der Sache müde und verbannte die arme Käthe in die Sattelkammer, die gleichzeitig das Büro seines Pferdestalls war. Dort hing sie nun, mit wunder Haut aber intaktem Herzen und tat das, was man von einer Uhr erwartete. Das Werk lief und lief, jede halbe Stunde ertönte der wundervolle Gong, der einst im luxuriösen Salon das Auge jedes Anwesenden auf die Uhr zog.

Die Jahre vergingen, die alte Käthe war mittlerweile wieder vollständig weiß gestrichen worden und erinnerte sich nicht mehr daran, wie sie einst ausgesehen hatte. Zufrieden schnurrte ihr Uhrwerk vor sich hin, man meinte es gut mit ihr, sie bekam hin und wieder Reinigung und Öl, sie tat weiterhin das, was man von ihr erwartete. So hätte es weitergehen können bis ans Ende ihrer Tage, wenn sie nicht das Begehren von Urlaubern in der Provence geweckt hätte. So trug es sich zu, daß Käthe mit den Leuten wieder nach Deutschland reiste. Diesmal nach Berlin.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 27Die neue Besitzerin sah wohl ein, daß Käthe mittlerweile so viele Gebrauchsspuren hatte, daß sie nicht mehr makellos aussehen würde, wenn man ihr Edelfurnier wieder freilegen würde. Sie war Künstlerin, eine Malerin und sann darüber nach, wie sie Käthe wieder verschönern könnte. Mit ein wenig Goldfarbe passte sie das Gehäuse an die hohe Qualität des völlig intakt gebliebenen Uhrwerkes an und hing die alte Käthe in ihr Esszimmer. Dort verbrachte sie die nächsten Jahrzehnte inmitten von anderen weiß gestrichenen Landhausmöbeln und freute sich ihres Uhrenlebens. Ein alter Uhrmacher kümmerte sich alle paar Jahre um ihr Uhrwerk, das lief und lief und lief.

Da die Menschen sterblicher als alte Uhren sind, verließ Käthe auch ihre letzte Besitzerin, nachdem diese das Zeitliche gesegnet hatte. Die Erben bevorzugten einen anderen Einrichtungsstil und gaben die Käthe zusammen mit den Möbeln an einen Wohnungsentrümpler. Dieser verkaufte sie einem Antikhändler.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 10Da lag sie, versteckt unter Gerümpel aus alter Zeit, niemand hängte sie mehr an die Wand und sie staubte langsam ein. Das Fett in ihren Federhäusern erstarrte, das Werk zur Untätigkeit verbannt, wartete darauf, gereinigt zu werden, um das zu tun, wofür Uhrwerke gemacht werden. Doch zunächst kaufte sie wieder jemand und hing sie in einem, über den Winter von einem riesigen Ofen geheizten Zimmer auf. Das hatte zur Folge, daß das ehemals weiße Gehäuse zunehmend vergilbte, daß das Zifferblatt sehr dunkel und unansehnlich wurde.

Irgendwann, so um 1995, stellte die alte Käthe ihren Dienst ein, denn ihr Uhrwerk war so verschmutzt, daß sie die Kraft nicht mehr aufbringen konnte, die Räder in Bewegung zu setzen. Deshalb wurde sie beiseite gelegt und darbte traurig in einem Keller vor sich hin.

So entdeckte ich sie, in ihrer ganzen antiken Pracht, mit Gebrauchsspuren und den Zeichen eines langen Uhrenlebens. Ich nahm sie bei mir auf, reinigte das Uhrwerk und beschloß, das Gehäuse und das Zifferblatt wieder herzurichten, aber so, wie sie die meiste Zeit ihres Lebens war. Denn sie sollte etwas besonders werden, ein Traum in weiß, statt eines Nußbaum Freischwingers, von denen es Millionen gibt.

Das Ende dieser Geschichte bestimmen Sie! Mit dem Kauf der alten Käthe bekommt diese Geschichte ein Happy End und Sie bekommen eine Wanduhr, die auch Sie überleben wird. Denn sie ist aus bestem Hause, eben eine Carl Werner Uhr!

Wer nun kleinlich am Gehäuse mäkelt, von edlen Nussbaum Oberflächen träumt, der nehme eine meiner Lenzkirch Uhren.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 18Käthe war nur wenige Jahre im Originalzustand und mehr als 100 Jahre eine weiße Schönheit. Deshalb wurde sie gereinigt, neu gestrichen, teilvergoldet und repariert. Sie soll so bleiben wie sie ist. Die Käthe ist nicht nur eine Uhr, sondern Kunst! Restauration, Zifferblattrestauration, etc. müssen in den Preis einfließen.

_uhrwerk

Gereinigt, Schloßscheibe, Gongverstärker, dicke Spirale, Lager intakt, sehr zuverlässig. Rostpendel mit Zierpendellinse.

_firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkürzt ein paar Sätze meines sehr geschätzten Ratgebers Hans-Heinrich Schmid, Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Jakob Kienzle (1859-1935) war der Sohn eines Getreidehändlers, der früh verstarb und so kümmerte sich seine Tante, die Frau von Friedrich Mauthe um ihn, in dessen Betrieb er eine kurze Zeit auch arbeitete.

Über eine Ausbildung als Kaufmann in einem Kolonialwarenladen wechselte er 1877 in eine Weberei. Ab 1879 arbeitete er wieder bei Mauthe und war für den Uhrenversand und die Rechnungsführung zuständig.

Wissensdurst und persönlicher Ehrgeiz verursachten zunehmend Ablehnung bei den Mauthes und sie hielten ihn von Firmenintera fern. Er bewarb sich bei anderen Betrieben, merkte aber, daß seine Tante seine Bemühungen hintertrieb und ihm kein gutes Zeugnis ausstellte. Das Verhältnis Kienzle-Mauthe blieb daher zeitlebends belastet.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 281883 wurde Kienzle durch Heirat Teilhaber bei Schlenker, der Firmenname wurde in Schlenker & Kienzle geändert. Kienzle konnte das wirtschaftliche Ergebnis bereits 1884 erheblich steigern, die Zahl der gefertigten Uhren stieg auf 30000 Stück im Jahr.

Kienzle gründete 1888 in Komotau ein Zweigwerk und weitere Werke in Paris und Mailand folgten. Die Fertigung von Uhren und Uhrenwerken überschritt 1903 die Millionengrenze. 1913 übernahm Kienzle die Uhrenfabrik Carl Werner.

1939 hatte Kienzle den Höchststand der Firmenentwicklung erreicht. Seit 1997 wird die Marke Kienzle für die Kollektion eines Asiatischen Herstellers verwendet. Die Kienzle Uhrensammlung ist heute Bestandteil des Deutschen Uhrenmuseums.

_techdat

Erbaut etwa 1897, Größe ca: 96 x 40 x 18 (H x B x T in cm)
Restauriert mit Kreidefarbe, alt weiß, retuschiert mit Bronzevergoldung
Uhrwerk: Schloßscheibewerk, Schlag auf Gongspirale mit Tonverstärkung, Rostpendel mit geprägter Zierpendellinse. Das Zifferblatt ist aus Zelluloid, alt weiß, makellos, da reproduziert. Das Werk ist mit Kienzles Punze markiert. Gangdauer etwa 10 Tage. Alle Gehäuseteile sind original!

____preis

Verkauft

Kienzle Jugendstil Freischwinger 21 _pflege

  • Nur abstauben, keine Pflegemittel, keine Feuchtigkeit! Das Glas kann man reinigen, indem man Glasreiniger auf ein Küchentuch sprüht, nicht direkt aufs Gehäuse!

_zubehoer

Alle meine Uhren kommen mit ausführlicher Pflege- und Bedienungsanleitung, Firmengeschichte, Schlüssel.

_antiqui

Bedenken Sie bitte, daß die ältesten dieser Uhren über 140 Jahre alt sind. Alle Antiquitäten unterliegen dem natürlichen Alterungsprozess. Dies kann sich dadurch äußern, daß Holz verzogen ist, das es Wurmlöcher gibt, oder feinste Haarrisse in Zifferblättern.

Diese Dinge muß man hinnehmen, sie mindern nicht den Wert. Alle Mängel, die die Gebrauchsfähigkeit stören oder die Optik negativ beeinflussen, werden beseitigt, sofern das möglich ist.

Kienzle Jugendstil Freischwinger 25Hier ist aber immer ein Kompromiß zu finden, um den Wert zu erhalten. Überrestaurierte Antiquitäten besitzen keinen Reiz mehr und sind wertlos.

_antikuhrwerke

Konstruktive Mängel der Werke müssen hingenommen werden, da es nicht zur Aufgabe der Restaurierung gehört, eine Antiquität zu verbessern. (Trifft hier nicht zu!)

Zu Konstruktionsmängeln zählen u. a. ungünstig geformte Triebstirnseiten, horizontal stehende Spindelräder sowie große und flache Ölsenkungen und vieles mehr. (Trifft hier nicht zu!)

_versand

Die Versand- und Verpackungskosten innerhalb Deutschlands betragen auf Grund der Größe und des Gewichtes 22,50 Euro. Das Glas wird mit Polsterung und Holz gesichert. Verkaufte Uhren werden vor dem Versand noch mal durchgesehen und müssen einen zusätzlichen Probelauf absolvieren. Die Lieferung erfolgt erst nach Ablauf der Uhrwerke, 1 - 3 Wochen Lieferzeit! Dies dient der Zufriedenheit der Kunden und der Garantie, die ich auf alle Uhrwerke gebe.

_ineigenersache

Ein automobiler Scheunenfund kann weder am Straßenverkehr teilnehmen, noch wird er Schönheitspreise gewinnen. Ein Dachbodenfund wird erst dann die Zeit zuverlässig anzeigen und ein Schmuckstück Ihrer Wohnung sein, wenn er fachmännisch restauriert worden ist. Uhren, die Sie bei mir erwerben, bringen diese Qualitäten mit.

Als gewerblicher Händler bin ich verpflichtet, nach dem Fernabsatzgesetz eine Gewährleistung auf über 100-jährige Uhrwerke zu geben. Davor drücke ich mich nicht, indem ich wie einige andere Gewerbliche als Privatperson auftrete.

Der Uhrenkauf soll beiden Parteien Spaß und Freude bereiten. Ihnen als Käufer sichere ich eine Gewährleistung von 1 Jahr zu und liefere alle Uhren mit ausführlicher Bedienungsanleitung, vollständig und mit einer Servicenummer für Notfälle aus.

Das bedeutet für Sie die Sicherheit, eine Uhr zu erwerben, die nicht nur ihre Aufgabe, die Zeit anzuzeigen, zuverlässig erfüllen wird, sondern darüber hinaus eine Wertanlage für die Zukunft darstellt.

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