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Lenzkirch Jugendstil Freischwinger, 1910/1915

Bitte haben Sie etwas Geduld beim Laden der Seite, da Sie im Internet die Ware nicht begutachten können, bin ich bemüht, sie mit sehr vielen Fotos zu beschreiben. Das erfordert leider mehr Bilder als üblich, jedoch wird Ihre Geduld belohnt werden.

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 50 _beschreibung

Schöner Lenzkirch Freischwinger, Jugendstil Regulator, 1910/1915, mit Luxus Uhrwerk. Das Jugendstilgehäuse wurde aus massivem Nussbaumholz gefertigt und ist sehr gut erhalten.

Das Gehäuse ist relativ schlicht, zeigt jedoch die typischen Jugendstil Verzierungen, die sich in der Mitte des Zifferblattes und auf der Pendellinse wiederholen. Das Zifferblatt mit arabischen Ziffern ist aus Porzellan, nicht aus Emaille. Der Aufsatz ist einteilig, abnehmbar.

Das Uhrwerk ist, typisch Lenzkirch, kompromisslos in erstklassiger Qualität gearbeitet. Dieser Umstand kommt ihm heute noch zugute. Es handelt sich um ein höchst aufwändig konstruiertes Rechenschlagwerk, kein Schloßscheiben Uhrwerk. Feinste Zapfen in sehr dicken Platinen sorgen für ein Minimum an Reibung und damit verbunden den geringstmöglichen Verschleiß. Volltriebe und die Graham Hemmung bewirken, daß sowohl das Laufgeräusch, als auch das Geräusch des Schlagwerkes absolut leise ist.

Das Uhrwerk  läuft präzise, absolut zuverlässig und genau. Die Uhr schlägt jede halbe Stunde einmal, zu jeder vollen Stunde wird die Anzahl der vergangenen Stunden angeschlagen. Der Ton ist dunkel, voll und wohlklingend, nicht zu verwechseln mit laut!

Diese Wanduhr ist in allen Teilen absolut original, sie findet sich auch genauso in der Fachliteratur über Lenzkirch als Abbildung.

_firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkürzt meinen sehr geschätzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 51Lenzkirch
Agul
Uhrenfabrik Lenzkirch AG

Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- später Agul) gegründet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald. Treibende Kraft für die Firmengründung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er für mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung präziser Uhrwerke kennenzulernen. Zurückgekehrt gründete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines früheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikmäßige Herstellung von präzisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzwälder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchführung der Firma übernahm. Die Gründungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten.

Hauser wurde technischer Direktor und führte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. München 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888. Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Zähringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 53Anfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut (siehe auch Lenzkirch Wikipedia). Sehr frühe Uhren (ab etwa 1851) wurden nicht gemarkt. Das erste Markenzeichen erschien erst ab 1871.

Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nämlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, Sägerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große Gehäusetischlerei, die durch ihre aufwändigen Gehäuse den Ruf der Firma entscheidend begründete.

Für die Gehäuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hätte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung übernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 52Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, für die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Gehäusemodelle waren Vorbild für alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem für die Firmen in Schwenningen.

Doch der entscheidende Rückschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und Gehäuseformen für die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im März 1899 aus dem Geschäft zurück und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen überrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg überstanden hat, aber es ist von einer Rüstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wäre. Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei. Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans übernommen.

Lenzkirch Freischwinger Jugendstil 07

_uhrwerk

Es handelt sich hier um ein Vollplatinenwerk mit Graham Hemmung, feinen Zapfen und Volltrieben. Ein Rechenschlagwerk bestimmt die Schlagabfolge. Das bedeutet für Sie, die Uhr schlägt immer das, was die Zeiger anzeigen.

Das Uhrwerk garantiert somit eine hohe Präzision und Langlebigkeit. Selbstverständlich wurde das Uhrwerk sachgerecht gereinigt und revidiert.

Es ist für die nächsten Jahre keinerlei Investition notwendig.

_techdat

Maße ca.: 98 x 38 x 18 (H x B x T in cm)
Uhrwerk: Vollplatinen, Volltriebe, Graham Hemmung, Rechenschlagwerk
Werksnummer: 779.*** 1 Mio.
Zifferblatt: Porzellan
Pendel: Nussbaum/Prunkpendel, Bronze massiv
Laufzeit: Etwa 10 Tage

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 54 ____preis

1.599,00 €

_versand

Die Kosten betragen einschließlich Verpackung u. Versicherung 22,50 Euro. Unversichert wird nicht verschickt. Das Verschicken an Dritte ist nicht möglich. Eine Selbstabholung ist dem Versand immer vorzuziehen, sofern das möglich ist.

_zahlung

Überweisung/Vorkasse, Barzahlung bei Abholung.

_garantie

Die Garantie beschränkt sich auf das Uhrwerk und dauert 1 Jahr ab Auslieferung. Für Verschleißteile von antiken Uhrwerken kann allerdings keine Garantie übernommen werden.

Sollten Federn brechen oder sonstige Fehler auftreten, die auf Verschleiß zurückzuführen sind, werden Ihnen während der Dauer der Garantie nur die Materialkosten in Rechnung gestellt. Eigenmächtige Eingriffe am Uhrwerk haben das sofortige Erlöschen der Garantie zur Folge.

Lenzkirch Jugendstil Freischwinger 55 _pflege

Bei der Uhrenpflege wird leider vieles falsch gemacht. Diese Uhr sollte lediglich mit Staubpinseln gereinigt werden. Man kann sie einmal im Jahr mit einer guten, keine Schichten bildenden Möbelpolitur behandeln. Diese Politur muß Schellack-geeignet sein und sollte genau nach Herstelleranweisung verwendet werden. Benutzen Sie bitte keine Billigware aus Supermärkten. Meine Kunden haben die besten Erfahrungen mit Clou Glanzpolitur gemacht (nein, ich habe selbst mit der Firma nichts zutun).

_ineigenersache

Als gewerblicher Händler bin ich bemüht, Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Auch bin ich verpflichtet, nach dem Fernabsatzgesetz eine Gewährleistung auf über 100-jährige Uhrwerke zu geben. Davor drücke ich mich nicht, indem ich wie einige andere Gewerbliche als Privatperson auftrete. Der Uhrenkauf soll beiden Parteien Spaß und Freude bereiten..

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