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Uhrenreinigung, nicht zu vernachlässigen

Uhrenreinigung wozu?

Die meisten Leute gehen leider erst zum Uhrmacher wenn es die Uhr nicht mehr tut. Wenn die Uhr noch läuft, halten sie alles für in Ordnung und lassen sie weiterlaufen, so lange es geht.

Was passiert dabei?

Uhrenöl verändert mit der Zeit die Viskosität und Konsistenz, in Verbindung mit Feinstaub, der sich in die Lager setzt, beginnt ein Schmirgeleffekt, der die Lager langsam oval ausschleift. So lange die Kraft der Federn über das Räderwerk weitergegeben werden kann, wird die Uhr laufen. Dann wird sie langsam unzuverlässig und bleibt eines Tages stehen. Ob ein Uhrwerk läuft oder nicht, sagt also nichts aus über den Zustand des Werkes. Die Uhr kann gerade fröhlich dabei sein, sich die Lager zu zerraspeln!

Meine Uhr läuft doch!

Bei dem Auto hinterfragt niemand die Notwendigkeit der regelmäßigen Inspektion. Eine Uhr läuft im Gegensatz zum Auto aber pausenlos, das ganze mechanische Werk ist ununterbrochen in Bewegung. Eine regelmäßige Uhrenreinigung verhindert Verschleiß des Uhrwerkes durch den oben geschilderten Schmirgeleffekt in den Lagern. Lager sind zwar Ersatzteile, aber ein Uhrwerk hat jede Menge davon. Das Auswechseln von Lagern erfolgt immer paarweise und ist eine kostenspielige Angelegenheit, im Gegensatz zu der regelmäßigen Uhrenreinigung. Bei der Reinigung wird auch der Zustand der Aufzugsfedern überprüft. WEnn Federn reißen, werden ungeahnte Kräfte freigesetzt. Dabei besteht eine Verletzungsgefahr für Sie beim Aufziehen, als auch für das Werk, wenn zum beispiel benachbarte Räder beschädigt werden. All dies kann man durch regelmäßige Uhrenwartung verhindern, die ein Bruchteil der Kosten für eine Reparatur beträgt.

Kann man nicht einfach nachölen?

Nein! Eine Ölung erfolgt immer nach der Reinigung in saubere Lager. Überölen bewirkt das Gegenteil, nämlich, daß das Öl aus den Lagern läuft, statt zu schmieren. Der Nichtfachmann kann auch nicht beurteilen, welches Öl ein Uhrwerk benötigt. Das gern von Hobbybastlern genommene Nähmaschinenöl ist für Uhren völlig ungeeignet.

Wie oft muß ich reinigen lassen?

Das ist von Uhrentyp zu Uhrentyp und von Werk zu Werk verschieden. Bei völlig geschlossenen Tischuhren reicht die Reinigung alle 10 Jahre, Regulatoren reinigt man in Intervallen von etwa 7 Jahren, Freischwinger alle 5 Jahre, Standuhren alle 15 Jahre. Wenn Ihre Uhr in diesem Zeitraum nicht sachgerecht gereinigt wurde, sollten Sie sie nicht weiter laufen lassen, um Verschleiß zu aufzuhalten. Lassen sie die Uhr nicht voll aufgezogen hängen, sondern zuerst ablaufen!

Ultraschall - nicht unumstritten!

Wenn Sie lesen, ein Uhrwerk sei "ultraschallgereinigt", so bedeutet das oft das Ende dieses Uhrwerkes. Es hilft nicht, ein Werk einfach in ein Ultraschallbad zu legen. Die Ultraschallwellen in Verbindung mit der Reinigungsflüssigkeit sind absolutes Gift für die Aufzugsfedern, sie machen die Federn spröde, so daß sie nach einiger Zeit brechen. Bricht eine spröde Feder, können schlagartig Kräfte freigesetzt werden, die das Uhrwerk so beschädigen, daß nur noch ein Uhrmacher mit Spezialwerkzeug helfen kann. Im schlimmsten Falle ist das Werk unwiederbringlich zerstört. Federn müßten also vor dem Ultraschallbad herausgenommen werden.

ungereinigt02Die Reinigung sollte man unbedingt einem Uhrmacher überlassen, da z.B. bei der Entspannung der Federn, die für eine Entnahme erforderlich ist, ein sehr hohes Verletzungsrisiko besteht.

Wenn ein Werk auseinander gebaut wird, ohne die Federn vorher zu entspannen, bedeutet das die Zerstörung des Werkes.

Auch lassen sich die entnommenen Federn nicht so leicht wieder in die Federhäuser einsetzen. Um gefahrlos arbeiten zu können, benötigt man einen Federwinder. Wer das schon mal ohne Spezialwerkzeug versucht hat, weiß was ich meine. Wenn einem der Schlüssel aus der Hand rutscht, kann man sich schwere Verletzungen zufügen. Hinzu kommt, daß Federhaus nicht gleich Federhaus ist, wenn Sie Teile vertauschen, kann unter Umständen das Werk nicht mehr laufen.

Auf Grund dieser Problematik werfen selbsternannte Uhrmacher komplette Werke in Ultraschallbäder. Diese Uhrwerke werden dann als “frisch vom Uhrmacher” verkauft. Der Kunde hat das Nachsehen, denn der Verkäufer ist oft ein “privat-Gewerblicher”, Sie wissen ja, keine Garantie, keine Rücknahme.

Das Junghanswerk amerikanischer Bauart auf den Fotos hier war vor der Reinigung quasi schwarz von Staub, Patina und verharztem Öl. Der Schmutz schädigt das Uhrwerk noch mehr, denn er wirkt in Verbindung mit dem alten Öl wie Schmirgelpapier. Eine Uhr sollte man dann nicht mehr laufen lassen, denn mit der Zeit würden sich die Lager durch die Schmirgelwirkung ausweiten. Totale Unzuverlässigkeit, später ein Stehenbleiben der Uhr sind nur die geringste Folge davon.

gereinigt02Ohne fundiertes Wissen im Umgang mit über 100jährigen Uhrwerken und -gehäusen wird der Versuch, aus einem sogenannten Dachbodenfund ein Schmuckstück zu machen, sicherlich scheitern.

Eine solche Uhr ist die Krönung Ihrer Wohnungseinrichtung. Darum kaufen Sie bei mir nicht "die Katze im Sack". Meine Uhren werden nicht nur "in Gang gesetzt", damit sie die Garantiezeit "überleben". Nach menschlichem Ermessen fallen für die nächsten fünf bis sechs Jahre keinerlei Wartungskosten an. Darüber hinaus bin ich bei Problemen jederzeit ansprechbar.

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